Februar 27, 2014

Kino: LIKE SOMEONE IN LOVE

Es sei gar nicht so simpel, simpel zu sein, sinnierte William Shimell im letzten Film von Abbas Kiarostami voller Glück über die eigene Erhabenheit. Und formulierte damit auch gleich den Widerspruch einer Romanze, die sich lockerleicht und betonschwer zugleich in ihrem Diskurs um Sein und Schein vergnügte. "Die Liebesfälscher" hieß der erste Film, den Regieveteran Abbas Kiarostami außerhalb seiner iranischen Heimat gedreht hat, "Like Someone in Love" heißt nun sein zweiter. [...]

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Februar 26, 2014

Oscars, Screener und der Boom illegaler Downloads

Oscarsaison ist Piratensaison. Wenn die Academy-Mitglieder zu Jahrsbeginn mit Screenern bemustert werden, gelangen die Filme schon kurze Zeit später illegal ins Internet. Ein unlösbares Problem, dessen Schaden sich dennoch in Grenzen hält. 

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Februar 25, 2014

TV: AMERICAN HORROR STORY COVEN

Den Titel gebenden amerikanischen Horror nimmt die dritte AHS-Staffel wörtlicher denn je und spinnt eine epische Geschichte der Ausgrenzung und Verfolgung vermeintlicher wie tatsächlicher Hexen. Für ihr referenzfreudiges, an Genre- und Popkultur geschultes Grusel-Amüsement vermengen Ryan Murphy und Brad Falchuk dabei einmal mehr historisch Verbürgtes mit mythischem Pulp – was dieses Mal jedoch leider in ein quälend willkürliches Durcheinander mündet. [...]

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Februar 24, 2014

Harold Ramis

†69

Kino: JACK RYAN - SHADOW RECRUIT

Erstaunlich, dass es nach dem kommerziellen Erfolg von "Der Anschlag" ganze 12 Jahre gedauert hat, bevor mit "Jack Ryan: Shadow Recruit" erst jetzt ein weiterer Film um Tom Clancys berühmten CIA-Agenten in die Kinos kommt. Wie mittlerweile allzu üblich wurde der Stoff für die nunmehr fünfte Kinoadaption dabei gleich noch mal auf Null gesetzt: Eine Origin-Story, die den Ursprungsmythos des US-Helden fernab der Romanvorlagen neu entwirft. [...]

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Februar 19, 2014

Mythos Filmfehler - im Zweifel für die Kunst

Ein Filmfehler muss noch lange kein Filmfehler sein. Dennoch ist das Aufspüren sogenannter Goofs für manche vermeintliche Kinofreunde eine Art Unterhaltungsport. Nur sehen diese vor lauter Fehler-Sucherei eigentlich überhaupt nichts mehr. 

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Februar 17, 2014

Berlinale 2014: SINGING LOVEBIRDS [aka. OSHIDORI UTAGASSEN aka. DIE LIEDERSCHLACHT DER MANDARINENTEN] (1939)

Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gedrehtes, von der ersten bis zur letzten Minute frohgemut beschwingtes Musical, in dem alle Figuren jedes noch so akute Problem mit freudestrahlender Leichtigkeit hinfort singen. Im Mittelpunkt der Liebeskomödie steht dabei die Samuraitochter Oharu, die ihr Leben ganz den Regenschirmen gewidmet hat! "Manche machen sie, andere tragen sie", heißt es da wohlweislich, und weil selbst die "Singing Lovebirds" dieses Films das so schön gesagt finden, genügen bereits kleinste Anlässe ("Nice line for a song, isn't it?"), um wieder hocherfreut die Stimmen erklingen zu lassen. Masahiro Makino, Regisseur von über 260 Filmen, feiert das Musical hier in einer sich ständig selbst motivierenden Form: trällernd emotional, immer versucht, Worte in rhythmische Wallung zu bringen. Frauen leiden da an der Krankheit der Liebe, Mädchen werden als Meisterwerke besungen, und sogar (blaue) Punkte auf einem Regenschirm haben große Bedeutung – wer ihn dann nämlich trägt, der sei eine untreue Seele! Auch wenn die angeblichen Parallelen zu Busby Berkeley am Film keinesfalls nachzuweisen sind, ist das alles vergnügliches Singsang-Kino, dessen entrückt choreographiertes Finale große Heiterkeit garantiert. Und die Frage, ob es statt kämpfende nicht eigentlich doch viel mehr singende und tanzende Samurai geben sollte, gilt es auch endlich einmal ernsthaft zu diskutieren.


60%

Februar 13, 2014

Berlinale 2014: LIGHT OF COMPASSION [NASAKE NO HIKARI aka. DAS LICHT DES HERZENS] (1926)

Von wenigen Ausnahmen vereinzelt zugänglicher Frühwerke bekannter Vorzeigeregisseure (etwa durch Criterions Eclipse-Serie) abgesehen, ist japanisches Kino aus der Stummfilmzeit selbst über einschlägige, cinephil-obskure Bezugswege nicht problemlos (ein)sehbar. Umso schöner, wenn zumindest die Berlinale alljährlich mit raren Kopien und potenziellen Entdeckungen einer Ära lockt, die selbst bei Japanfilmfreunden noch weitgehend unerforscht sein dürfte. "Light of Compassion", 88 Jahre nach seiner Entstehung erstmals (und mit Sicherheit auch einmalig) in Deutschland zu sehen, ist nun leider wahrlich kein gehobener Schatz der Filmgeschichte, und dennoch bin ich froh, ihn gesehen zu haben. Mit sozialmoralischem Anliegen inszeniert (und tatsächlich kultusministerial in Auftrag gegeben), ist die Geschichte eines verarmten Jungen, der durch die gönnerhaften Eltern einer ungleich wohl situierten Mitschülerin doch noch seinen Platz in der Gesellschaft findet, insgesamt schon schwer erträglich. Humanismus-Einmaleins aus dem Lehrbuch, das Aufstiegschancen als Selbsterniedrigung aus Fleiß und Bittstellerei missversteht, und die sozialen Gefälle eher bestätigt als aufbricht. Vom ideologischen Nonsens und der heute beinahe amüsant anmutenden Simplifizierung der Problematik abgesehen, ist das Soziallehrstück aber auch von einer Naivität beseelt, die wenigstens nicht wehtut. Und es gibt schlimmeres, als dem Regie- und Kamerapionier Henry Kotani (eine Schlüsselfigur in der Geschichte der Shochiku-Studios) bei der Arbeit zuzuschauen – denn wie gesagt: dass man es überhaupt kann, ist schon ein Gewinn.


50%

Berlinale 2014: FIVE SCOUTS [GONIN NO SEKKOHEI aka. FÜNF ARMEEKUNDSCHAFTER] (1938)

Vorbildlich gefertigter, also bis ins Detail unerträglicher Propagandafilm über eine nervlich und körperlich angeschlagene Soldateneinheit der japanischen Invasionsarmee in China, der sich via Infotafel gleich schon zu Beginn vorsorglich als "zeitloses Meisterwerk" ausruft. Kriegsgebeutelte Sentimentalitäten scheut "Five Scouts" ebenso wenig wie Bilder totaler Tristesse, deren eigentlich unverkennbar finstre Durchhaltelüge er aber gewissensstark bestätigt: in von disziplinärem Militärsprech dominierten, roboterhaften Dialogen, in akribischen Vaterlandsansagen von der Notwendigkeit des Gewaltsamen und auch in der bedingungslos richtigen Affirmation aller Bestrebungen, den Feind gefügig machen und Asien retten zu müssen. Zur Unsäglichkeit des gradlinig Propagandistischen gesellt sich noch der kriegsfilmtypische Widerspruch vom eigentlich ja bitteren, aber doch auch möglichst mitreißenden Spektakel – und wenn die Kamera mal nicht eindrücklich durchs Schilfgestrüpp schleicht, rückt sie die Soldaten als uniforme, kameradschaftliche Masse ins Bild. Solidarisch Luxuszigaretten paffen, bevor der Morgen vielleicht nicht mehr ist. Abmarsch!

Für die Berlinale-Retrospektive "The Aesthetics of Shadow" mit Blick auf formalästhetische Gestaltungsmittel ausgewählt, können ebendiese als überhaupt erst essentielles Trägermedium alles Falschen natürlich auch keine Begeisterung entfachen. Und wenn den Schauspielern, so man dem Programmtext Glauben schenken darf, nach Vorbild von "Shanghai Express" das Führungslicht von oben majestätische Glorie verleihen soll, muss das dafür benötigte schwarze Make-up aber mindestens irritierend genannt werden: die japanischen Soldaten sehen aus, als seien sie mit Bräunungscreme eingeschmiert worden.


20%

Februar 12, 2014

Christian Bale - vom Method Actor zum Schauspieler

Mea culpa! Als siffiger Trickbetrüger überzeugt Christian Bale in "American Hustle" nicht nur mit einer vergnüglichen Perücken-Performance, sondern auch überraschend unverkrampftem Schauspiel. Und löst sich vorübergehend vom leidigen Method Acting. 

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Februar 11, 2014

Shirley Temple

†85

Berlinale 2014: THE DOCKS OF NEW YORK [DIE DOCKS VON NEW YORK] (1928)

Eine wunderbar spielerische Romanze, die ihre eigentlich nicht sonderlich unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen dem rüden Schiffsarbeiter und einem selbstmordgefährdeten Hafen-"Girl" sowohl mit komödiantischer Schroffheit als auch existenziellem Ernst erzählt (verbunden durch geradezu lyrische Zwischentitel). Die Spielzeit umfasst dabei lediglich 24 Stunden (jenen Tag, den George Bancrofts schmutzübersäter Raufbold zu Lande verbringen darf), in denen getrunken, geprügelt, geheiratet wird – ehe ein gleichermaßen irreales wie beinahe sozialrealistisches Ende das Dock-Abenteuer beschließt. Überall, in und hinter jedem Bild, gibt es in Josef von Sternbergs vorletztem Stummfilm etwas zu entdecken, obgleich der Subplot um eine in der Hafen-Bar arbeitende und später zur Verzweiflungstat getriebene Frau fast reizvoller ist als das eigentliche narrative Zentrum des Films.

Dass "The Docks of New York" für die unter dem Motto "The Aesthetics of Shadow" stehende Retrospektive der Berlinale ausgewählt wurde, ist seiner kontraststarken Kameraarbeit, der die Geschlechterdynamik akzentuierenden Beleuchtungsstrategie und auch den (besonders während der Apartmentszenen evidenten) Silhouetten hingegen schon ganz unmittelbar zu entnehmen (fast eine Dreiviertelstunde der 75 Minuten vergeht, ehe die Bilder auch vom anbrechenden Tageslicht geflutet werden). Zum Queer-Reading laden überdies eine seltsam asexuelle Nebenfigur und ein hinreißender, vermeintlich unschuldiger Kuss der beiden Protagonistinnen ein, der eigentlich noch schöner ist als jener in von Sterbergs ungleich bekannterem "Marokko"


70%

Februar 09, 2014

Berlinale 2014: WHEN IT RAINS, IT POURS [DOSHABURI] (1957)

Nichts, das man als Freund des klassischen japanischen Studiokinos nicht schon kennen würde, aber auch nichts, das man missen wollte, wenn die emotionale Kraft solcher und ähnlicher Shomin-geki-Erzählungen einen immer und immer wieder in tiefes, leises Bestürzen zu zwingen vermag: die emotionale Entwurzelung, das vernunftwidrige Erdulden, alle unausgesprochene Unzufriedenheit, die in den großen Alltags- und Familienmelodramen zum Zerbersten der Gefühle führt. "When It Rains, It Pours", über ein Unglück also, das selten allein kommt, steht dabei deutlich in Tradition des Haha-mono, und die Mutter (großartig: Sadako Sawamura) muss hier schließlich grundsätzlich alles in Frage stellen: ihr Hotelgewerbe, ihre Kindererziehung, ihre ganze Existenz. Regisseur Noboru Nakamura, 1957 auf einem ersten Erfolgshöhepunkt seiner Karriere, lässt die Züge eines an den Herbergsschauplatz grenzenden Bahnhofs symbolbehaftet durchs Bild rauschen, um menschlicher Bewegungslosigkeit mechanische Wucht gegenüberzustellen. 

In den melodramatischen Effekten seiner Inszenierung – Lokomotivrauch, der die Figuren in die Unsichtbarkeit drängt, veräußerlichtes Leid, das sich nach dem kümmerlichen Griff zum Alkohol explosionsartig Bahn bricht – findet dieser Film vor allem während des letzten Drittels zu ausdrucksstarker Melancholie, die wieder einmal bestätigt: am schönsten seufzen lässt es sich immer noch im Kino.


70%

Februar 05, 2014

Tabuthema AIDS - Hollywood und die Verklemmtheit

Matthew McConaughey ist der erste Hollywoodstar seit Tom Hanks, der im US-Mainstream-Kino die Hauptrolle eines AIDS-kranken Menschen spielt. Die Angst der Traumfabrik vor dem Thema lässt sich zwar erklären, nicht jedoch entschuldigen.

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Februar 04, 2014

Kino: DALLAS BUYERS CLUB

Der letzte große Hollywoodfilm über AIDS ist mehr als 20 Jahre her. Selbst Skeptikern wäre 1993 dabei wohl nicht in den Sinn gekommen, dass "Philadelphia" zwei Dekaden lang zumindest quantitativ ein Alleinstellungsmerkmal einnehmen würde. Ist "Dallas Buyers Club" nun also schon deshalb ein wichtiger Film, weil er das Thema im US-amerikanischen Mainstream-Kino aus der Unsichtbarkeit löst? [...]

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Februar 01, 2014

TV: Goodbye, IBES! Das war das Dschungelcamp 2014!

Zum 10jährigen Jubiläum beglückte uns das Dschungelcamp mit einer Staffel, die so entwaffnend wie lehrreich war. Ein Rückblick auf die zwei schönsten TV-Wochen des Jahres, bevor Larissa heute nun endlich zur Dschungelkönigin gekrönt werden dürfte.

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