April 01, 2011

Zuletzt gesehen: THE FIGHTER

Einfältiger und höchst alberner Erbauungskitsch aus dem Hause Weinstein, der nach dramaturgischem Baukastenprinzip alle ausgedienten Boxfilmklischees noch mal neu aufsagt und sich in seiner Hollywoodesken Vor- wie Nachstellung von White Trash von einer Sackgasse in die nächste manövriert. Selbst noch als gähnend konventionelle Award-Winning-Chose betrachtet ist die verlogene Siegermentalität in Kombination mit ihrem sozialpornographischen Elendsanspruch eine reine Zumutung, die nur von ihrem hilflos in Armutskostüme geschmissenen Ensemble unterboten wird. Insbesondere Christian Bale changiert infolge erneuter Schauspieldefizite über die Grenzen des Over-Actings hinaus zwischen Körperschändung und Grimassenausstellung: Wie schon in "The Machinist" meint er sich in eine gebrechliche Figur einfühlen zu müssen, indem er sich eine Anorexie antrainiert. Statt einen abgehungerten Menschen zu spielen, will Bale also offenbar lieber ein abgehungerter Mensch sein. Das alte Method-Acting-Missverständnis noch mal um sich selbst gedreht. Zumindest stellenweise allerdings empfiehlt sich "The Fighter" dank einiger unmöglicher Gross-Out-Momente – in einer denkwürdigen und vollkommen sinnentleerten Szene prügelt beispielsweise ein Haufen Frauen aufeinander ein – als vergnüglicher Oscar-Trash.


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Kommentare:

  1. Also Marco Huck (Boxer) sagt, die Kämpfe sind erstaunlich realistisch. Dit lassen wa jetzt mal so stehn wa.

    Film hab ick noch nicht gesehn, erwarte aber auch nicht viel. Zum Method Acting habe ick ne andere Meinung (Hallo Hankey aufgepasst^^), weißte ja. Wie sollte de Niro einen Boxer spielen (Raging Bull) ohne sich körperlich in diese Form zu bringen? Sicher hätte man das extreme Zunehmen am Ende anders lösen können, wenns bereits 1980 wirklich technisch gutaussehend möglich war. Bezweifel ich aber, in Hinblick auf die ganzen Big Mamas House "Komödien". Und Bale hat ganz klar übertrieben in THE MACHINIST, keine Frage. So an die Substanz zu gehn ist sicher too much. Da sind mir Schauspieler ala Brando oder Ledger lieber, die sich eher psychisch zuviel mit der Rolle identifizieren, obwohl das ja wie wir wissen auch nicht wirklich gesund ist.

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  2. Ob die dargestellten Kämpfe realistisch sind, ist mir komplett egal, da ich mich a) nicht für Boxen interessiere und b) ich sowieso nicht der Meinung bin, dass (Spiel)Filme die Aufgabe haben, irgendetwas realistisch darzustellen und auch bezweifle, dass das überhaupt möglich ist. :)

    Zum Acting von Bale: Ich fand's einfach u-n-e-r-t-r-ä-g-l-i-c-h. Vielleicht sollte es das auch sein, möglich. Aber was der insbeondere in der ersten Hälfte des Films abzieht, ist nur noch grotesk. Der dreht so ungehemmt auf, dass eigentlich nur noch ein Blick in die Kamera fehlt: "Look, I am acting, you see it? I'm an actor and that's what I'm doing! Fuck yeah!", und dabei fühlt er sich auch sichtlich geil. Das reinste Show-Off-Theater.

    Nee, in diesem Leben werde ich kein Freund mehr von Bale. Aber der Film hat noch wesentlich massivere Probleme als ihn.

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  3. Naja aber es erfüllt schon einen gewissen Anspruch, obs dir gefällt / wichtig ist oder nicht. Vielleicht ist das ja etwas, was man dem Film positiv abgewinnen kann, was ich wie gesagt noch nicht beurteilen kann. Filme können sehr wohl eine realistische Darstellung von Realitäten zeigen. Aber das wäre ne neue / andere Diskussion. Mir fällt da nur ganz spontan THE HURT LOCKER ein.

    Du wirst mir doch aber zustimmen, dass für gewisse Rollen einfach auch eine gewisse Physis Voraussetzung ist? Ansonsten müssen wir weiter Adrian Brody als Spargeltarzanversion von Arnie ertragen. :D

    Haha, schön gelacht Rajko. Genauso wirken schon die Trailer und wenigen Szenen die ich sah. Und DAS ist schon bezeichnend. Kann mir das so gut vorstellen, dass genau das in seinem Kopf vorgeht. Und er folgte auch als einziger dem uralten Trend, bei den Oscars mit Vollbart aufzukreuzen um jeden zu signalisieren: yeah, i`m an actor,look at me.

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  4. Ob THE HURT LOCKER realistisch ist oder nicht, kann ich ebenfalls nicht beurteilen, denn ich war nicht im Irakkrieg. :)

    Sowas bleibt letztlich Spekulation, weshalb ich darauf auch keinen Wert lege. Abgleiche zwischen Film/Realität führen meines Erachtens nicht weit, schon gar nicht bei dramatisierten Spielfilmen. Mag aber natürlich sein, dass man als Boxer THE FIGHTER mehr bzw. überhaupt was abgewinnen kann. Oder als Crack-Abhängiger (das spielt ja auch eine große Rolle im Film). :P

    Was Adrien Brody angeht: Der fühlt sich zur Zeit ja sichtlich wohl in diversen Trashfilmen, was ich eigentlich ganz amüsant finde, so als Post-Oscar-Phänomen. :)

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  5. Aber dir sind doch Fakten bekannt, die belegen das es ein gewisses Maß an Realismus gegeben hat. Das z.B. Irakveteranen zu Rate gezogen wurden etc. Und die Angst, das jeden Moment etwas Furchtbares passieren kann, ist doch im gesamten Film in jeder Sekunde spürbar. Und DAS ist MIR realistisch genug. Oder Der Soldat James Ryan, wo ebenfalls alle Überlebenden sagten: "ja so war es." Ich entsinne mich das einer gar einem Infarkt erlag im Kino. Oder originale Panzergeräusche aufgenommen wurden usw... also du siehst, Beispiele gibt es genug. WIE realistisch etwas ist und OB es überhaupt die Aufgabe von Filmemachern ist, bleibt wirklich diskutierbar. Man muß dann natürlich auch sensibel sein, welches Thema der Film behandelt und welches Genre usw.

    Da fallen mir jetzt spontan Cuba Gooding Junior und Jamie Foxx ein. :P

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  6. Hab noch einen für dich Rajko, eben im TV Spielfilminterview gelesen:

    "Wenn ich arbeite, werde ich immer besonders ruhig. Ich bin kein Rockstar, ich bin Schauspieler. Ich bin jemand, der dafür geschaffen ist, jemand anderes zu sein. Und ich bin viel glücklicher, wenn ich jemand anderen darstellen darf."

    Christian Bale

    :D

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  7. Was ist schlimmer als ein überdrehter Junkee? Christian Bale der einen überüberdrehten Junkee spielt. Oh man ...

    War noch schlimmer als befürchtet. ^^

    Faszinierend find ich auch Wahlberg, der es immer wieder schafft, so absolut blass und austauschbar zu agieren, dass man ihn schon beim zuschauen direkt vergisst, ähnlich wie bei Werbespots.

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  8. Da sind wir uns vollkommen einig.

    Wird der Bale-Schrein jetzt umplatziert? :)

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